Vorfahrt für das Heizen mit der Sonne auf Wohnhausdächern
Der Mensch lebt nicht von Strom allein

Straubing, 15. Juni 2011 – Das Sonnenhaus-Institut e.V. appelliert anlässlich der EEG Novelle 2012 mit einem Positionspapier an die Bundesregierung, die Schwerpunkte der Solarförderung zu überdenken. In einem Haushalt in Deutschland werden im Durchschnitt rund 80 Prozent der Endenergie für Raumwärme und Warmwasserbereitung eingesetzt. Dennoch dreht sich die Diskussion um den Energiemix der Zukunft und damit um den Atomausstieg ausschließlich um Strom.

Zwar ist Solarstrom ein wichtiger und unverzichtbarer Baustein für die Energiewende. Die direkte Nutzung von Sonnenwärme, das heißt: Solarthermie, leistet jedoch einen ebenso wichtigen Beitrag zur Energieeinsparung und zur Unabhängigkeit von Energielieferanten. Die Solarexperten des Sonnenhaus-Instituts fordern im Kontext der angestrebten Energiewende eine differenzierte Betrachtungsweise, um die solare Wärme wenigstens auf gleiche Weise zu fördern, wie den solaren Strom.

Dabei geht es vor allem um die Dezentralisierung der Energieversorgung. Die Bundesregierung könnte jetzt die Chance nutzen und mit dem Atomausstieg eine dezentrale Energieversorgung forcieren. Das Erreichen der Unabhängigkeit von Energielieferanten und Netzbetreibern sollte politisch genauso im Mittelpunkt stehen, wie die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien an sich.

„Strom lässt sich gut transportieren, aber schlecht speichern. Bei der Wärme ist es genau umgekehrt“, erläutert Georg Dasch, Architekt und Vorstand des Sonnenhaus-Instituts e.V. „Deshalb sollten vorrangig Solarthermieanlagen auf Wohnhausdächer installiert werden, weil die Sonnenwärme hier direkt und dezentral für Heizung und Warmwasserbereitung genutzt werden kann. Eine dezentrale Nutzung von Solarstrom ist zwar technisch machbar, zurzeit allerdings noch sehr teuer.“, erklärt Dasch. „Bei der solaren Wärmeproduktion auf dem eigenen Dach sieht das anders aus. Es ist wirtschaftlich absolut sinnvoll und technisch relativ unkompliziert, sich mit Hilfe großer Solaranlagen von Wärmelieferanten nahezu unabhängig zu machen.“

Dennoch sollte der durch Photovoltaik-Anlagen auf Wohnhäusern gewonnene Strom ebenfalls weitgehend vor Ort genutzt werden. Eigen genutzte Wärme und Strom, sowie dezentrale Energiespeicher sollten durch die Förderung besser gestellt werden. Wird der auf Wohngebäuden erzeugte Strom jedoch ins Netz gespeist, sollte die Einspeisevergütung für diesen Strom geringer ausfallen.

„Das Sonnenhaus-Institut plädiert für eine Vorfahrtsregelung“, erläutert Wolfgang Hilz, Ingenieur und zweiter Vorstand des Instituts. „Angesichts der zunehmenden Flächenkonkurrenz beider Systeme auf deutschen Dächern bedeutet das ganz konkret eine Energiepolitik, die Photovoltaik-Anlagen auf Wohnbauten nur dann fördert, wenn eine angemessene Solarwärmeanlage vorhanden ist oder gleichzeitig installiert wird.“

Solarthermieanlagen erzielen in Bezug auf Umwandlungseffizienz, Ökobilanz und Kosten-Nutzen-Verhältnis bessere Ergebnisse als PV Anlagen. Zudem haben sie den volkswirtschaftlich bedeutenden Vorteil, dass die direkt von der Sonne gewonnene Wärme vor Ort, das heißt dezentral, genutzt und gespeichert werden kann, da dies das Stromnetz entlastet. Gegenüber dem Stromverbraucher ist das eine gerechte Herangehensweise, da sie die erforderliche Netzinfrastruktur für den PV-Strom stets mit bezahlen.

Überall dort also, wo Sonnenenergie unmittelbar dezentral als Wärmeenergie genutzt und gespeichert werden kann, insbesondere in Wohnbauten, sollen die zur Verfügung stehenden Dachflächen vorrangig für Kollektoren genutzt werden. Bei Industriebauten, landwirtschaftlichen Nebengebäuden oder Überdachungen von Parkplätzen hingegen ist die Stromerzeugung mittels Photovoltaik und die damit verbundene Einspeisung ins öffentliche Netz die zweckmäßigere Wahl. Darüber hinaus sollte die Eigennutzung der produzierten Energie stärker gefördert werden, um eine Dezentralisierung der Energieversorgung zu beschleunigen.

Das Sonnenhaus-Konzept steht für eine dezentrale Nutzung von Sonnenenergie

Bereits heute gibt es erfolgreiche Beispiele für optimale und dezentrale Nutzung der Sonnenenergie. Das vom Sonnenhaus Institut entwickelte solarthermische Bau- und Heizkonzept ermöglicht es, deutlich mehr als 50 Prozent des Jahresgesamtwärmebedarfs für Warmwasser und Heizung direkt mit dem kostenfreien, krisensicheren und regenerativen Rohstoff Sonne zu decken. Die direkte Nutzung der Sonnenwärme spart unmittelbar Brennstoffe wie Öl oder Gas und darüber hinaus mittelbar Strom für den Betrieb von Wärmepumpen ein.

Die vorhandene Südfläche auf dem Dach oder an der Fassade wird beim Sonnenhaus zuerst für die Unterbringung von thermischen Solarkollektoren genutzt. Die solare Stromgewinnung steht an zweiter Stelle. Dadurch dass Sonnenhäuser der solaren Wärmegewinnung den Vortritt lassen, leisten sie einen erheblichen Anteil dazu, den allgemeinen Energiebedarf um ein Vielfaches zu senken. Die privaten Haushalte verbrauchen rund ein Drittel vom gesamten Energiebedarf Deutschlands. Von diesem Drittel fallen mehr als 80 Prozent auf die Bereitstellung von Wärme für Raumheizung und Brauchwasser! (Quelle: Deutscher Wirtschaftsdienst). Es ist also wesentlich sinnvoller an einem zu beheizenden Gebäude den thermischen Kollektoren den Vortritt zu lassen und eine Photovoltaik-Anlage erst dann zu installieren, wenn dafür Fläche übrig bleibt. Was in den meisten Fällen auch möglich ist, wie die folgenden Beispiele zeigen:

Auf dem Sonnendach vom Sonnenhaus Pollheld in Pfakofen bei Regensburg sind 65 Quadratmeter thermische Solarkollektoren und 36 Quadratmeter Photovoltaik-Module untergebracht. Das Gebäude wird zu 65 Prozent ganzjährig solar beheizt. Die PV-Anlage hat eine Leistung von 5 kWp. Und den auf dem Dach produzierten Solarstrom nutzt die Familie selbst. Überschüsse werden ins Netz eingespeist.

Im Sonnenhaus Pollheld nutzt die Familie neben der auf dem Dach produzierten Sonnenwärme auch ihren Sonnenstrom selbst.

Quelle: Architekturbüro Dirschedl

 

Beim Bau- und Heizkonzept vom energieautarken Haus der Helma Eigenheimbau AG steht die dezentrale Energieversorgung mit Hilfe der Sonne im Mittelpunkt. Es wurde im Mai diesen Jahres eröffnet und ist sowohl mit Kollektoren wie mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet. Das Haus ist völlig unabhängig von jeglicher externer Energieversorgung. Die Priorität der Dachflächennutzung liegt darauf, durch Solarthermie eine möglichst hohe Deckung des Jahreswärmebedarfs durch Sonne zu erzielen. Das Haus nutzt also zum Einen die Sonne direkt als Wärmeenergie und deckt damit 65 Prozent seines Bedarfs für Heizung und Warmwasser. Zum Anderen produziert die ebenfalls in das Dach integrierte PV-Anlage so viel Strom, wie das Haus selbst für den Eigenbedarf verbrauchen kann. Um den selbst gewonnen Strom flexibler einsetzen zu können, wird dieser in einem sinnvoll dimensionierten Elektroenergiespeicher (Akku) zwischen gespeichert.

Das energieautarke Haus bietet absolute Unabhängigkeit von jeglicher externen Energieversorgung.

Quelle: Helma Eigenheimbau AG

 

Das bereits im Jahr 2001 gebaute Naturpark-Informationshaus in Zwiesel (Bayerischer Wald) nutzt einen Teil seines am Gebäude produzierten Solarstroms ebenfalls selbst. Und dabei wird das Büro- und Ausstellungsgebäude, mit einer zu beheizenden Grundfläche von 690 Quadratmetern, zu 100 Prozent solar beheizt. Da sich bei diesem Gebäude die Kollektoren zur solaren Wärmeerzeugung an der Fassade befinden, steht die gesamte Dachfläche für Photovoltaik-Module zur Verfügung. So konnte in den Jahren 2004 und 2010 die PV-Anlage weiter vergrößert werden. Neben den 110 Quadratmetern Fassaden-Kollektoren sind auf dem Dach mittlerweile 240,7 Quadratmeter Photovoltaik-Module mit einer Gesamtleistung von über 20 kWp untergebracht. Rein rechnerisch deckt die PV-Anlage den Strombedarf des Naturpark-Informationshauses zu 160 Prozent. Damit gehört das Gebäude zu den sogenannten Energieplushäusern. Über einen Stromspeicher verfügt es allerdings nicht. Die Überschüsse werden eingespeist und an Schlechtwettertagen bezieht das Gebäude konventionellen Strom aus dem Netz.

Das Naturpark-Informationshaus in Zwiesel wird zu 100 Prozent solar beheizt und produziert gleichzeitig auf dem Dach Sonnenstrom auch für den Eigenbedarf. Rechnerisch deckt die PV-Anlage den Strombedarf des Naturpark-Informationshauses zu 160 Prozent. Damit gehört das Gebäude zu den sogenannten Energieplushäusern.

Quelle: Naturpark Bayerischer Wald e.V. / Hartwig Löfflmann


http://www.sonnenhaus-institut.de/pm-vorfahrt_solarthermie.html


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Solarheizung: Weniger Fördermittel ab Anfang 2012

+ 28.07.2011 + Wer seinen Förderantrag vor dem 30.12.2011 stellt, kann noch von hohen Fördersätzen profitieren. Kommendes Jahr gibt es dann weniger Geld vom Staat

aus www.sonnenseite.com

Wer sich noch in diesem Jahr entschließt, Solarenergie zur Warmwasserbereitung oder Raumheizung zu nutzen, profitiert von den aktuellen guten Förderkonditionen. Denn derzeit erstattet der Staat bis zu 25 Prozent der Anschaffungskosten zurück. Pro Quadratmeter Kollektor-fläche gibt es einen Zuschuss von 120 bis 180 Euro. Nach dem 30.12.2011 liegt die Fördersumme nur noch bei 90 Euro pro Quadratmeter Kollektorfläche. Lediglich Kombianlagen zur Warmwasser-bereitung und Raumheizung auf Mehrfamilienhäusern werden auch im kommenden Jahr mit 180 Euro pro Quadratmeter unterstützt.

 

Effiziente Solarheizung senkt Heizkosten

Bis zu 90 Prozent des Energieverbrauchs eines Vier-Personen-Haushalts entfallen in Deutschland auf Heizung und Warmwasser. Mithilfe einer Solarwärmeanlage können bis zu 30 Prozent der jährlichen Heizkosten eingespart werden. In Kombination mit einem hocheffizienten Brennwertkessel verringert sich der Heizölverbrauch um bis zu 50 Prozent.

 

Die Anschaffungskosten pro Quadratmeter Kollektorfläche liegen heute – je nach Voraussetzungen des Gebäudes – durchschnittlich zwischen 700 und 2.000 Euro. Eine Solarwärmeanlage zur reinen Warmwasserbereitung eines Vier-Personen-Haushalts ist rund vier Quadratmeter groß und kostet bei einem angenommenen Quadratmeterpreis von 1.500 Euro entsprechend 6.000 Euro, die Kosten für eine Kombianlage liegen bei rund 12.000 Euro inklusive Montagekosten.

 

„Mit einer effizienten Solarheizung lassen sich die Heizkosten stark senken. Viele Heizkessel in deutschen Kellern sind vollkommen veraltet und verbrauchen deshalb deutlich mehr Energie als nötig. Dement-sprechend mehr Heizkosten muss der Hausbesitzer bezahlen, solange er nicht in eine effiziente Heizung investiert“, so Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer des Bundesindustrieverbands Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik e.V. (BDH).

 

Infomaterial erleichtert Planung

Die Innovationsförderung ist besonders für Eigentümer von Mehrfamilien-häusern interessant. Der Antrag muss vor der Auftragsvergabe gestellt werden. Entscheidend ist, dass der Antrag spätestens am 30.12.2011 beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eingeht, um noch die höheren Fördersätze zu erhalten. Sobald Hausbesitzern die Förderzusage zugestellt wird, haben sie ein volles Jahr Zeit, um die Solarwärmeanlage bauen zu lassen. Der Bau dauert in der Regel ein bis sieben Tage. Die Antragstellung übernimmt meist der Solarfachbetrieb.

 

Die bundesweite Kampagne „Solar – so heizt man heute“, die vom Bundesumweltministerium, BDH und Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) unterstützt wird, informiert Vermieter über die Planung und Finanzierung von Solarwärmeanlagen. Produkt- und firmenneutrales Infomaterial steht unter solarwaerme-info.de zum kostenlosen Download bereit.