Abschalten alleine genügt nicht - Die Forderungen des Solar-Förder-Vereins

Bundesweit wird gefordert: "Abschalten, Abschalten, Abschalten".
Doch die Forderung "Abschalten" alleine zeigt lediglich, welche Maßnahme
ergriffen werden muss, um Atomenergie, die unerwünschte Alternative, los
zu werden.

Aber was dann?

Wir müssen deutlich benennen, welche politischen Maßnahmen ergriffen
werden müssen, damit wir die von uns gewünschte Alternative - 100
Prozent Erneuerbare Energien - konkret, zuverlässig und rasch erreichen.

- Einspeisevergütung für Solarstrom wieder deutlich erhöhen [1],
- Administrative Hemmnisse (im Baugesetzbuch) gegen die Windenergie im
Binnenland beseitigen [2].
- Gesetzliche Anreize zum massiven Ausbau dezentraler Stromspeicher bei
den Endverbrauchern schaffen [3]
- Verringerung des Netzausbaus - durch Errichtung von Windkraftanlagen
in der Nähe der Stromverbraucher [4].

Erst diese konkreten Forderungen, die alle sofort umgesetzt werden
sollen, machen aus einem frommen Wunsch ein realitätsnahes Programm. Und
von entscheidender Wichtigkeit ist, dass dieses Programm ohne
internationale Absprachen umgesetzt werden kann. Nicht nur beim
Atomausstieg, sondern auch bei der Einführung der Erneuerbaren Energien
könnte Deutschland wieder eine Vorreiterrolle einnehmen.

Hier zeigt sich wieder, wie wichtig es ist, nicht nur gegen etwas zu
sein, sondern sich für ein positives Ziel einzusetzen. So hat es der SFV
schon seit 1986 gehalten. Wir wollen die Umstellung auf 100 Prozent
erneuerbare Energien.

Wenn wir nicht konkret fordern, was notwendig ist, wird das getan, was
die Energiewirtschaft schon immer vorschlägt:
- Neue Erdgas-Kraftwerke bauen [5],
- Photovoltaik-Forschung verstärken [6],
- Desertec Solarkraftwerke in Afrika bauen [7],
- Offshore-Windparks errichten [8].
- Ein Supergrid über Europa ausspannen.

Alles Maßnahmen, die die Umstellung auf Erneuerbare Energien noch um
Jahre verzögern.



Anmerkungen:

[1] Die Einspeisevergütungen für Solarstrom wurden seit Januar 2009
bisher 5 mal abgesenkt, insgesamt um etwa 40 Prozent. Das offizielle
Ziel war die Verminderung des PV-Wachstums von etwa 8 Gigawatt pro Jahr
auf etwa 3,5 Gigawatt. Der damit angerichtete Schaden im
Solarinstallationsgewerbe wird zu Tausenden von Konkursen führen, wenn
nicht umgehend die Einspeisevergütung wieder angehoben wird. Firmen, die
einmal in Konkurs gegangen sind, lassen sich kaum noch reaktivieren.
Deshalb ist hier größte Dringlichkeit angesagt! Ein PV-Vorschaltgesetz
wäre hier zu empfehlen.

[2] Zur Zeit führt jede Ausweisung eines Windvorrangsgebietes
gleichzeitig zu einer Sperrung aller übrigen Gebiete im Planungsbereich
(§ 35, Absatz 3 Bundesbaugesetz). Dadurch wurde bundesweit, insbesondere
in den südlichen Bundesländern und in Hessen, der Neubau von Windanlagen
zum Erliegen gebracht. Hier ist eine schnelle Gesetzesänderung zum Thema
Privilegierung von Windkraft im Außenbereich im Bundesbaugesetzbuch
erforderlich.

[3] Der Bau dezentraler Stromspeicher bei den Endverbrauchern soll durch
folgende Maßnahmen angeregt werden:
- Kostendeckende Vergütung für Strom, der gespeichert wird.
- Teilnahme auch von Kleinspeicherern am Börsenhandel
- Befreiung von den Netzgebühren für Strom zur Befüllung von Speichern.
Die diesbezüglichen Bestimmungen in § 118 Abs. 7 EnWG sollten eine
Verlängerung erfahren.
- Zusätzliche kostendeckende Vergütung für Strom, der gespeichert wird.

[4] Ein großer Teil des derzeit geplanten Netzausbaus kann eingespart
werden, wenn Windanlagen bewusst im Umland der großen Städte errichtet
werden. Der Netzausbau sollte sich ausschließlich darauf beschränken,
Windanlagen in netzfernen Regionen mit unterirdisch geführten
Stromleitungen an das vorhandene öffentliche Netz anzuschließen. Ein
weitergehender Ausbau der Stromnetze kann entfallen, wenn stattdessen
regional und dezentral die Stromspeicher ausgebaut werden (Forderung [3]).

[5] Staatliche Förderung der Photovoltaik-Forschung ist nicht mehr
notwendig, da die Technik bereits millionenfach erprobt wurde. Wichtig
sind lediglich konstante und verlässliche - gewinnbringende Vergütungssätze.

[6] Desertec-Solaranlagen sollten Afrika mit Solarstrom versorgen. Wir
in Deutschland haben genügend Potential im eigenen Land.

[7] Offshore-Windanlagen benötigen einen riesigen Aufwand für den
Netzausbau. Außerdem ist der von ihnen erzeugte Strom um etwa um 60
Prozent teurer als der Strom aus Binnenlandanlagen.

[8] Ein Supergrid über Europa ist nicht erforderlich, wenn regional und
lokal Stromspeicher vorgesehen werden.


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[sfv-rundmail] 16.03.2011


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