Presseerklärung vom 15. Juli 2011

Geschlichtet und gestresst – Wir stoppen Stuttgart 21
Fast 400 Teilnehmer bei Sitzblockade mit Prominenten

Stuttgart, 15. Juli 2011: Seit 6 Uhr versammeln sich fast 400 S21-Gegner und
 prominente Gäste aus der Stadt, der Region und der Republik zu einer weiteren
 gewaltfreien Sitzblockade vor dem Grundwassermanagement. Unter den
Prominenten sind die Autoren Heinrich Steinfest und Wolfgang Schorlau sowie die
 Theater- und Kabarettschaffenden Walter Sittler, Volker Lösch, Peter Grohmann,
Christine Prayon und die Professoren Peter Grottian und Wolf-Dieter Narr. Ihr
Protest richtet sich gegen den undemokratisch vorbereiteten und inhaltlich
getricksten Stresstest und gegen den Weiterbau von Stuttgart 21.

„Ein Weiterbau von Stuttgart 21 ohne die Zustimmung von einer Million Menschen
der Region Stuttgart ist nicht durchsetzbar“, sagt der Berliner Politikwissenschaftler Prof. Dr. Peter Grottian. „Eine rationale Auseinandersetzung mit den Argumenten gegen Stuttgart
 21 findet nicht mehr statt, daher setzen wir auf massenhaften Zivilen Ungehorsam. Der Zivile Ungehorsam ist das notwendige
 Salz in der oft reichlich öden Suppe der verstockten repräsentativen Demokratie.“

Politikwissenschaftler Prof. Dr. Wolf-Dieter Narr glaubt nicht an eine Befriedung
 des Konflikts durch das Ergebnis eines Stresstests oder einer Volksabstimmung:
 „Die Landesverfassung von Baden-Württemberg gehört zu den
undemokratischsten Verfassungen der Republik. Das Projekt Stuttgart 21 ist
 Sinnbild für eine
 politische Klasse, die sich ein Recht nimmt, das die Verfassung ihr nicht gibt, denn der Souverän sind nicht Banken, Immobilienspekulanten, sondern wir“, sagt Parkschützerin Andrea
Schmidt.
die Blockade am Grundwassermanagement, die seit heute früh 6 Uhr besteht,
 ist erfolgreich, weil ein Baufahrzeug aus Würzburg an der Einfahrt gehindert wird.
Die Blockade am Grundwassermanagement dauert noch an.

[Zumeldung]

Von den ursprünglich etwa 400 Demonstranten haben sich gegen 8:30 Uhr knapp
200 von der Südseite des Hauptbahnhofs an die Nordseite begebenund
blockieren dort zur Stunde zwei Baufahrzeuge (Muldenkipper)
der Fa.
 GL-Abbruch. Diese Firma hatte im September 2010 den Nordflügel des denkmalge
schützten Bahnhofsgebäudes (Bonatz-Bau) im Auftrag der Bahn abgerissen. Von
 den knapp 200 Demonstranten am angerissenen Nordflügel beteiligen sich ca. 40
 S21-Gegner an einer Sitzblockade vor dem Bauzauntor
. Die Polizei ist mit
zahlreichen Einsatzkräften vor Ort und trägt die Sitzblockierer weg. Dies ist das
 zweite Mal in der Protestgeschichte gegen Stuttgart 21, dass an einem Tag zwei
 Sitzblockaden parallel statt finden. Die Situation ist bei beiden Aktionsorten friedlich.



Das letzte Wort haben wir. Es ist unsere Stadt.

Infopunkt ist von 6 bis 18 Uhr Unser Pavillon im Park, auch Treffpunkt nach der Blockade und für
eine neue Aktion am Mittag.

Bericht vom erstenUnternehmer-Sit-In

Liebe Mitstreiter, liebe Freunde,
sehr geehrte/r Frohmund Wiedmann,

das war mal eine Aktion! Um Schlag fünf-Uhr-dreißig in derNacht kommen aus allen Himmelsrichtungen unsere "Aktivisten" zusammen,schnell sind die versprochenen 50 zusammen, die 60, 70, 80, dazu einlivriertes Catering-Team, Demo-Sanis, Kaffee, Brezeln, Isomatten. ZweiTrainer erklären die Grundregeln des zivilen Ungehorsams und eine netteAnzahl von Sympathisanten unterstützt uns auch noch, so sind wir beimZählen durch die Polizei über 100 Aktive.

Schnell wird auch klar, dass die Aktion gleich in mehrfacherHinsicht wichtig war:

  • Die UgS21 erleben sich nach längerer Zeit mal wieder ineiner Life-Aktion, kraftvoll, deutlich, friedlich, aktiv.
  • Die Parkschützer und seitherige Blockierer schätzen denRückhalt und die Reputation, die aus unserer Aktion auch für ihrHandeln erwächst, wir wurden vielfach bedankt!
  • Die Fotografen fahren auf die Bilder von sitzenden undweggetragenen Schlipps- und Kragenträgern voll ab.
  • Twitter läuft schnell mit Dokumentationen über unsereAktion voll. Es gibt auch englische Tweets, z.B.
    „9.6.2011: #s21 Ladies & Gentlemen: the first b³-meeting (businessbreakfast blockade) ever at Stuttgart main station #gwm via@zwuckelmann"
  • Die großen Zeitungen berichten schon ab 10.00 Uhr über ihreOnline -Ausgaben recht wohlwollend und ausführlich. Mitunter wird unserBeitrag als Unternehmer sogar bewußt heruntergespielt, das deckt auchEmpfindlichkeiten auf. In den Kommentarspalten laufen die Beiträgeüber, ein förmlicher Aufschrei der S21-Freunde und beauftragtenAgenturen ;-)
    Stuttgarter Nachrichten
    Stuttgarter Zeitung
    Süddeutsche
    Youtube
    Bilder auf Picasa 
    Bei AbrissAufstand (bisschen runterscrollen, zu den Medienberichten)
  • Unsere Gemeinschaft ist seit der Diskussion über das Themaam Montagabend um 10 Mitglieder angewachsen, das ist sehr gut und darfruhig so weitergehen!
  • Und ganz nebenbei: die Zugriffe auf unsere doch sehrsehenswerte Website haben sich in den letzten Tagen verzehnfacht!

Ein großer Dank gebührt dem professionellen Team derParkschützer, die uns großartig unterstützt und begleitet haben!

Und ein besonders großer Dank an alle Mitmacher,Sympatisanten, Unterstützer und Verhinderte aus unserem Kreis. Es sindbei mir über 200 Emails eingegangen, die fast ausschließlich Zustimmungund Unterstützung signalisiert haben. Dass wir das in so kurzer Zeithinbekommen haben, war großartig.

Im Namen der Unternehmer gegen S21 wünsche ich uns allen eineverdiente Freude an dieser Aktion.

Aktiv bleiben, oben bleiben
Mit herzlichen Grüßen

Ihr Stefan Krüger

Unternehmer gegen Stuttgart21
Freie Unternehmer-Initiative e.V.
tangokom - EDV und Netzwerke für Unternehmen

Untere Gasse 13
71739 Oberriexingen

Tel +49 7042 17977 0
Mobil +49 172 6036126

Die Bilder hat dankenswerterweise Petra Weiberg geschossen undbereitgestellt.

 


Unternehmer gegen Stuttgart 21
http://unternehmer-gegen-s21.de

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auch ich habe diese sehr gelungene aktion körperlich unterstützt. -
als berater für erneuerbare energien gibt es zusätzlich genügend Gründe, dieses energiefressendes Projekt S21 ab zu lehnen-
in der Zukunft werden nur noch Solarbahnhöfe gebaut mit großen Bürgerinnenbeteiligungssolaranlagen und energieeinsparende oberirdische Lösungen projektiert.

Gutachten zum Grundwassermanagement bei Stuttgart 21: Neues Planfeststellungsverfahren erforderlich



Baden-Württemberg10.06.2011Nach einem im Auftrag des Umweltministeriums in Auftrag gegebenen Gutachten kann das bei Stuttgart 21 geplante Grundwassermanagement nicht vollzogen werden. Die Gutachter kommen zum Ergebnis, dass ein neues Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden muss, nach dem die Deutsche Bahn beantragt hatte, während der siebenjährigen Bauzeit die Grundwasserentnahme auf 6,8 Millionen Kubikmeter zu erhöhen. Ursprünglich beantragt und vom Eisenbahnbundesamt als Genehmigungsbehörde erlaubt war dagegen die Entnahme von nur drei Millionen Kubikmeter Wasser. Dies gab heute (10. Juni 2011) das Umweltministerium in Stuttgart bekannt.

Die Gutachter kommen unter anderem zum Ergebnis, dass auf Grund der vorgesehenen Änderungen geprüft werden müsse, ob nunmehr die mit dem Vorhaben verbundenen neuen Auswirkungen auf abwägungserhebliche Belange dem Vorhaben insgesamt entgegenstehen. So lange über den Änderungsantrag nicht entschieden sei, dürften alle Maßnahmen, die unmittelbar im Zusammenhang mit der beantragten Änderung stehen, nicht realisiert werden. Dies gelte insbesondere für alle Baumaßnahmen, die eine Grundwasserförderung und
Grundwasserentnahme erfordern.

Außerdem kommen die Gutachter zum Ergebnis, dass entgegen der Auffassung des Regierungspräsidiums Stuttgart vor einer Änderungsplanfeststellung nach
§ 76 Abs. 1 Verwaltungsverfahrensgesetz auch sonstige Baumaßnahmen nicht auf Grundlage der geltenden Planfeststellungsbeschlüsse realisiert werden können. Auch Baumaßnahmen, die von der geplanten Änderung nicht unmittelbar betroffen sind, dürften danach nicht realisiert werden. Dazu zählten nach Auffassung des Umweltministeriums beispielsweise der geplante Bau eines Technikgebäudes oder der Abriss des Südflügels.

Das Gutachten ist im Internet als Anlage zur Pressemitteilung eingestellt unter: www.um.baden-wuerttemberg.de
Quelle: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg

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Und hier die Meldung vom Propagandaministerium S21:
www.das-neue-herz-europas.de

"Ein neues Planfeststellungsverfahren wird definitiv nicht erforderlich sein. Das Ganze ist ein durchsichtiger Versuch, mit einem offenkundigen Gefälligkeitsgutachten das Vorhaben und die geplanten weiteren Baumaßnahmen in Frage zu stellen."

das sagt der neue Projektsprecher der Bahn dazu...... Gefälligkeitsgutachten. Ich finde nicht, dass sich das das Umweltministerium gefallen lassen darf!!

das ist ein Rechtsbruch.... wie auch die Fällung der Bäume am 01.10.


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Ein Videofilm über : "Was hat Calwmit S21 zu tun?"


www.youtube.com/watch?v=R3BBtrxmAPg

mehr unter

http://schwabenstreichcalw.wordpress.com


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JürgenSchwab/Stuttgart 21 und der Energieverbrauch

Rede an der Montagsdemo in Stuttgart am 23.mai 2011


LiebeFreundinnen und Freunde des Kopfbahnhofes!


 Ich beginne meine Rede mit einem Witz. EinMann steht an der Klagemauer in

Jerusalem,plötzlich klingelt sein Handy. Gott höchstpersönlich ist am Apparat, und derMann

ergreiftdie einmalige Chance, Fragen zu stellen. „Stimmt es, Gott, daß 500 000 Jahrefür dich

wie ein Tagsind?“ „Natürlich“, antwortet Gott“. “Und 500 000 Dollar sind für Dich wie ein

Dollar“?„Ja“, sagt Gott. Darauf der Mann: „Dann gib mir einen Dollar“. Gott entgegnet:

„Warteeinen Tag“. -

Hier aufunserer Erde spielen die Kernkraftbetreiber Gott und produzieren dabei

apokalyptischeKatastrophen. Deutsche Kerntechniker behaupteten noch bis vor kurzem, der

durchschnittlicheAbstand zwischen zwei „GAUs“ betrüge nicht ganz 500 000 Jahre.

ZwischenTschernobyl und Fukushima liegt zwar nicht ein Tag, um im Bild des vorher

erzähltenWitzes zu bleiben, aber eben doch nur 25 Jahre.

Der größteStromverbraucher Deutschlands, die Deutsche Bahn, arbeitet in

Südwestdeutschlandmit Atomstrom und ist am Kernkraftwerk Neckarwestheim von Anfang

an zu 20%beteiligt. Sie baut dort auf dem Gemmrigheimer Feld eine drei Hektar große

Anlage zurUmwandlung von AKW-Strom in Bahn-Drehstrom. Damit wappnet sich die Bahn

 unter anderem für die engen, 66 Kilometerlangen Tunnelröhren bei S 21, die durch ihren viel

größerenLuftwiderstand den Stromverbrauch der Züge massiv in die Höhe treiben.

Gleichzeitigfahren die Züge 16 Meter tiefer als heute gegen starke Steigungen an. Beim

Kopfbahnhofdagegen beschleunigen sie auf ebener Strecke und erreichen mit Schwung die

RampenRichtung Pragtunnel oder Gäubahn. Die vielen Rolltreppen, Aufzüge und die

kontinuierlicheBeleuchtung des neuen Tiefbahnhofes verbrauchen bei S 21 satte 250% der

Strommenge gegenüberdem Kopfbahnhof. Einige Beispiele: Mehrbedarf bei Rolltreppen und

Aufzügen:242 MWh/Jahr. Mehrbedarf

Beleuchtung:1 100 MWh/Jahr.

Noch ohnedas energiefressende Grundwassermanagement rechnet man mit 53 520 MWh  

Zusatzbedarfbeim Bau von S 21 versus K 21. Die CO2 Freisetzung während der Bauzeit wird

91 620tbetragen. Ein großer Applaus für die Ingenieure gegen Stuttgart 21, die dasalles

penibelberechnet haben!

Wir allekönnen uns gut vorstellen, wie sich die viel höheren Stromkosten im Betrieb des

neuenBahnhofes auf die Fahrpreise auswirken werden! Nach Fukushima gilt aber eineneue

Zeitrechnung.Es darf keine Projekte mehr geben, die derart sorglos mit der Energie

umgehen. Heute ist Energiesparen angesagt, nur so gelingt der Atomausstieg!

Die Bahnzementiert die Abhängigkeit vom Atomstrom. Bahnchef Grube gehört zu den

Erstunterzeichnern der Laufzeit-Verlängerung. Die Bahn verwendet nur 0,6%Windenergie,

während Ihr alle auf diesem Platz durchschnittlich 8% Windenergie in Euremprivaten

Strommixhabt!

Man wirbt beim angeblich ökologischen Projekt Stuttgart 21 mit freiwerdendenGleisflächen.

Es handelt sich hier hauptsächlich um ehemalige Güterverkehrsareale. Diese Flächen wurden

stillschweigend in weitaus größerem Umfang im Umland wieder versiegelt inForm von

Lastwagenspeditionen, z.B. DB-Schenker. Der LKW, auch wenn er mit dem Logo„DB“

unterwegs ist, verbraucht für die Beförderung derselben Menge an Güternrund

dreimalsoviel Energie wie die Bahn. Was fürStuttgart 21 und die Neubaustrecke ausgegeben

wird, würde ausreichen, um den Schienengüterverkehr in ganz Deutschland zuverdoppeln.

Damit entstünde weniger Feinstaub aus Dieselruß und viel geringere Mengenan CO2. In

Stuttgart wurden einzelnen Firmen 1,5 Millionen Euro angeboten für denVerzicht auf ihren

Umweltfreundlichen Schienenanschluß. In anderen Ländern hingegen wird im Güterverkehr

voll auf die Schiene gesetzt, an der Spitze die Schweiz und die USA (70%Anteil) oder

Schweden (40%). Im Zusammenhang mit Stuttgart 21 wird für denSchienengüterverkehr,

der für unsere exportorientierte Wirtschaft so enorm wichtig ist, nichtein Cent ausgegeben.

Der IHK fällt das überhaupt nicht störend auf, obwohl dadurch eingewaltiges

Wettbewerbshindernis für die hiesige Wirtschaft entsteht.

Während der Güterverkehr der Bahn für unsere Umwelt äußerst wertvoll ist,sank die Anzahl

 der Reisenden im Personenfernverkehrvon 152 Millionen im Jahr 1997 auf inzwischen nur

noch 123 Millionen. Für armselige 5% des Gesamtverkehrs baut man Neubaustreckenund

Stuttgart 21 und es bringt noch nicht einmal etwas! Wegen 1,5 Fernverkehrsfahrten pro

Bürger und Jahr ist der betriebene zweistellige Milliardenaufwand grotesk,wenn es

gleichzeitig für den umweltfreundlichen Nah-, Regional- und Güterverkehrgewaltige

Steigerungspotenziale gibt.

Eine in der F.A.Z. publizierte Studie errechnet, daß ein durchschnittlichbesetzter PKW im

Fernverkehr pro Person 5,2 Liter Kraftstoff verbraucht, der ICE -incl. Infrastrukturkosten und

Fahrt zum Bahnhof- äqivalent 3,9 Liter. Der ICE kann diesen bescheidenenVorsprung beim

Verbrauch und beim CO2 nur dann halten, wenn die durchschnittlicheZugauslastung, die von

der Bahn kommuniziert wird, stimmt. Die Bahn ließdiesen Faktor vor etlichen

Jahren plötzlich von 33% durch eine sogenannte „neue Zählweise“auf 43%hochschnellen.

Die stark frequentierte Schweizer SBB nennt für ihren Fernverkehr nur 28%Auslastung.

Bei einer Schweizer Zählweise läge der Primärenergieeinsatz beim ICE sogarhöher als beim

PKW, analog bei skandalösen 5,9l pro Person.

Laut der Ludwig Bölkow-Stiftung verursacht ein ICE 3 bei einer Reisegeschwindigkeitvon

300/km/h einen Energieverbrauch, der beim KFZ fast 4 Liter pro Insasseentspräche. Bei

200km/h hingegen werden nur 2 Liter beansprucht. EineBeschleunigung von 0 auf 150

km/hverbraucht soviel Energie, wie von 200 km/h auf 250 km/h.

In Frankreich, Italien und Spanien fahren Hochgeschwindigkeitszüge ausZeit, Kosten- und

Energiegründen möglichst lange ohne Halt. Über einen Stop des ICE am Stuttgarter

 Flughafen würde man dort nur lachen.Es ist Irrsinn, einen ICE von Stuttgart Mitte auf die

Filder hinauf zu jagen, um nach wenigen steilen Kilometern und kurzem

Halt amStuttgarter Flughafen wieder ins Neckartal hinabzudonnern.

Den energetischen Wahnsinn des ICE-Flughafenhalts illustriert ein größenwahnsinniges

Statement von Hartmut Mehdorn: „Ein ICE 3 zieht beim Anfahren soviel Stromwie eine

Kleinstadt von 5 000 Einwohnern an einem ganzen Tag“. Mehdorn hat hier zwar um das

5-facheübertrieben, trotzdem zeigt dieser Tatbestand, daß man beim

Hochgeschwindigkeitsverkehr sehr sorgsam mit dem Thema Energieeinsatzumzugehen hat!

Die Neubaustrecken über den Westerwald, den Thüringer Wald und dieSchwäbische Alb

überqueren merkwürdiger Weise diese Mittelgebirge an ihren höchstenStellen. Italien und die

Schweiz hingegen unterqueren ihre viel höheren Gebirge aufwendig mit Basistunneln.Unsere

Neubaustrecken sind demnach energetisch und fahrdynamisch Fehlplanungen.Spielen hier

die bei 17-23% liegenden Planungskosten für die Bahn eine Rolle? Will dieBahn hier teuer

und umständlich bauen, um unnötig viel Steuergeld abzugreifen? Die Neubaustrecke

Stuttgart-Ulm wird gegenüber der Bestandsstrecke

den doppelten Höhenunterschied überwinden; und das bei extremen undunverhältnismäßig

langen Steigungen von bis zu über 3%. Der S-21 Filderaufstiegstunnelerklimmt nahezu die

komplette Höhe der Filderebene, der weniger steile Tunnel desAlternativprojektes K 21

erreichtdie A 81 auf viel niedrigerem Niveau bei Denkendorf.

Neben dem ICE würde in zukünftig auch der Nachfolger des IC, der ICx dieNeubaustrecke

befahren. Der ICx verbraucht vorbildlicher Weise 30% weniger Strom. Was nützt das, wenn

die steile Neubaustrecke, die steilen Zuläufe bei Stuttgart 21 und die langen

Wege zu denAbstellbahnhöfen diesen Fortschritt wieder auffressen?

Die Bahn speist zwar bei der Talfahrt Bremsenergie wieder zurück ins Netz. Dieser Effekt

wird aber propagandistisch völlig überhöht.

Es sindgerade mal 8% des Energieeinsatzes. Inder Schweiz wird beim Bremsen seit rund 70

Jahren wesentlich mehr Energie ins Fahrleitungsnetz zurückgespeist. Auchprivate

Wettbewerber schneiden hier besser ab, als die Deutsche Bahn.

Der schwedische X-2000 erreicht bei maximal 200 Stundenkilometern zwischen Malmöund

Stockholm eine höhere Reisegeschwindigkeit als der ICE zwischen Stuttgartund Hamburg

beiannähernd gleichen Entfernungen und Haltepunkten. Der X-2000 ist auf dieser Distanz

fast eine Stunde schneller, verbraucht aber nicht einmal halb so viel Strom.Der X-2000 setzt

auf Neigetechnik und befährt Kurven schwungvoller. DerICE hingegen benötigt teure

Neubaustrecken.Schweden baut den Zug nach derStrecke, Deutschland die Strecken nach

dem Zug.

Früher einmal hatte die Bahn, wie noch heute in anderen Ländern, einenriesigen Vorsprung

in Sachen Energieverbrauch und CO2-Ausstoß. Dieverfehlte deutsche Bahnpolitik, deren

fragwürdigstes Symbol Stuttgart 21 ist, ruiniert gründlich den wichtigstenVorteil des

Bahnfahrens-die Umweltfreundlichkeit!

Einintegraler Taktfahrplan lastet Züge und Netz besser aus. Er schafft kürzere Reisezeiten

durch direkte Anschlüsse und führt so zu einem viel effizienteren Umgangmit der Energie.

Dieser Fahrplan der Zukunft, der in der Schweiz, den Niederlanden und Dänemark

schon bestens funktioniert und in Frankreich und Tschechien aufgebaut wird,wird durch S

21 unmöglich, würde aberzwanglos bereits im unrenovierten Kopfbahnhof funktionieren.

Durch Stuttgart 21 werden wir also abgehängt, nicht durch die Beibehaltungdes

Kopfbahnhofes.Das sogenannte Primon-Gutachten weistnach, dass die Schweiz 2,4 Cent pro

Personenkilometer Bahn aufwendet, Deutschland hingegen rund das Dreifache,nämlich 7.0

Cent! Das beweist: der integrale Taktfahrplan spart Energie, nützt den Reisenden,dem

Steuerzahler und dem Staat! Ein Verhindern der Perspektive„Deutschlandtakt“ als logische

Konsequenz aus dem Bau von Stuttgart 21 ist Politikversagen in reinsterForm!

Noch in derFinanzierungsvereinbarung zu Stuttgart 21 heißt es naiv:

....“Besonders die Konzeption eines integralen Takfahrplans (ITF) ...profitiertdavon in idealer

Weise“. In der Koalitionsvereinbarung von Grün-Rot lesen wir erfreut: „Wirunterstützen das

Leitbild „Deutschlandtakt“ für einen bundesweiten integralen Taktfahrplanim Fernverkehr

und werden uns gegenüber dem Bund für dessen Umsetzung einsetzen....“

Weiß dieSPD überhaupt, was sie da unterschrieben hat? Diese Aussage bedeutet -wörtlich

genommen- das Ende von Stuttgart 21! Einst drohte der ehemaligeCDU-Ministerpräsident

Filbinger, das Licht würde ausgehen, falls es nicht zum Bau des Atomkraftwerks

Wyhl käme. Was erreichte er damit? Eine neue Partei, die „Grünen“ wurden geboren. Das

was Filbinger eigentlich bezweckte, die Durchsetzung des AtomkraftwerkesWyhl, misslang

ihm gründlich. Wiederholt sich die Geschichte rund 30 Jahre später? Dervorerst letzte CDU-

Ministerpräsident, Stefan Mappus, versuchte buchstäblich mit aller Gewaltdas Projekt

Stuttgart 21 durchzudrücken(wir erinnern uns mit Schrecken an den Polizeieinsatz vom

30.9.2010 im Mittleren Schloßgarten, bekannt als „schwarzer Donnerstag“). Gleichzeitig

betrieb Stefan Mappus in vorderster Front eine Laufzeitverlängerung derAtomkraftwerke.

Das Ergebnis dieser Politikhat europaweit Aufsehen erregt: die durch Wyhl entstandenen

Grünen wurden stärkste Regierungspartei, und stellen den Ministerpräsidenten-,aber die

Laufzeitverlängerungder AKWs wackelt. Stuttgart 21 ist durch diese Wahl dem Friedhof

für ungeliebte Großprojekte, auf dem bereits Kalkar, Wackersdorf, Wyhl oderder Transrapid

selig ruhen, einen entscheidenden Schritt näher gekommen! Tun wir alles in unserer Macht

stehende, dass Stuttgart 21 auf diesem Großprojekte